Singschule

19. Dezember

Nun kommen wir der heiligen Nacht schon näher. Familie Meister zeigt uns heute ihre Kinderkrippe. Ihre beiden Kinder können das Fest kaum erwarten und spielen daher um die Wette Weihnachtslieder auf dem Klavier. Marius Lieblingslied inspirierte Pfarrer Hundertmark, dem Liedtext auf den Grund zu gehen.

Tagesgebet: Lieber Gott, wir danken Dir für die Musik, die uns auch in diesen Zeiten mit Abstand zusammenbringt. Amen.

Wochenchoral :EG 7 O Heiland reiß die Himmel auf, Str. 5
O klare Sonn, du schöner Stern,
dich wollen wir anschauen gern;
o Sonn, geh auf, ohn deinen Schein
in Finsternis wir alle sein.

Marius inspiriert den Pfarrer

Liebe Familien,

vor ein paar Tagen haben wir im Adventstürchen das Lied „Es kommt ein Schiff geladen“ mit seinen vielen Symbolen gefunden. Heute nun möchte ich Sie und Euch mitnehmen, ein weiteres Lied zu entdecken.

1. Es ist ein Ros entsprungen
aus einer Wurzel zart,
wie uns die Alten sungen,
von Jesse kam die Art
und hat ein Blümlein bracht
mitten im kalten Winter
wohl zu der halben Nacht.

2. Das Blümlein, das ich meine,
davon Jesaja sagt,
hat uns gebracht alleine
Marie, die reine Magd;
aus Gottes ewgem Rat
hat sie ein Kind geboren,
welches uns selig macht.

3. Das Blümelein so kleine,
das duftet uns so süß;
mit seinem hellen Scheine
vertreibt’s die Finsternis.
Wahr‘ Mensch und wahrer Gott,
hilft uns aus allem Leide,
rettet von Sünd und Tod.

4. O Jesu, bis zum Scheiden
aus diesem Jammertal
lass dein Hilf uns geleiten
hin in den Freudensaal,
in deines Vaters Reich,
da wir dich ewig loben;
o Gott, uns das verleih!
Text: Str. 1-2 Trier 1587/88; Str. 3-4 bei Fridrich Layriz 1844
Melodie: 16. Jh., Köln 1599

„Es ist ein Ros´ entsprungen“ zählt sicherlich mit zu den bekanntesten Weihnachtsliedern und steckt voller Rätsel. Gleich in der ersten Strophe wird von einer zarten Wurzel erzählt. Wer schon einmal sich im Garten mit der Wurzel eines Rosenstockes beschäftigt hat, wird die Erfahrung teilen – da ist überhaupt nichts zart, ganz im Gegenteil. Die Wurzel ist aus kräftigem Holz und ganz schön voller Dornen. „Zart“ meint hier eher „edel“, also besonders gut und besonders beachtenswert. Dass aus so einer Wurzel ein zartes Röschen wächst, ist schon Wunder genug. Nun wir aber alles noch viel geheimnisvoller – Dieses kleine Rosenblümlein geht mitten im Winter auf.

Doch was ist mit „Jesse“?

Schauen wir in die Bücher des Alten Testamentes. Dort finden wir den Propheten Jesaja. „Jesse = Jesaja“ – so ließe sich das Rätsel auflösen. Aber weit gefehlt. Bei Jesaja finden wir dann im 11. Kapitel folgenden Vers:

„Und es wird ein Reis hervorgehen aus dem Stamm Isais und ein Zweig aus seiner Wurzel Frucht bringen.“

„Jesse“ ist die latinisierte Form von „Isai“. Der wiederum war der Vater des Königs David. Jesu Stammbaum geht auf David zurück. Er wurde ja als der neue Messias und idealer König begrüßt und angesehen. Ohne Vorgeschichte geht es nicht und unsere Vorgeschichte teilen wir mit unseren jüdischen Geschwistern. Somit geht die Linie von Isai über den König David bis hin zum Christkind, jenem zarten Blümelein, das mitten in der kalten Winternacht das Licht der Welt erblickte und später selber zum Licht der Welt wurde.

Nun meinten einige Leute, mit „Ros´“ ist eigentlich jener „Reis“, also das Zweiglein gemeint. Das stimmt so nicht. „Ros´“ bleibt eine „Rose“ und die dritte Strophe unterstreicht das noch einmal. Doch schauen wir zunächst in die zweite Strophe. Hier scheiden sich die Geister.

In der ursprünglichen Textfassung, wir finden sie noch im katholischen Gesangbuch,

Das Röslein, das ich meine,
davon Jesaja sagt,
ist Maria, die Reine,
die uns das Blümlein bracht.
Aus Gottes ewgem Rat
hat sie ein Kind geboren
und bleibt doch reine Magd.

Es geht hier also deutlich um Maria. Sie ist der Rosenzweig und Jesus Christus das Blümlein. Die wundersame Geburt wird dadurch noch wundersamen, dass Maria Jungfrau blieb. Dafür steht die reine Magd.

Weit jenseits unserer Vorstellungen und menschlichen Möglichkeiten handelt Gott, um uns Menschen beizustehen und zu erlösen. Gottes Liebe zeigt sich in seinem Erbarmen mit uns Menschen. So wird er selber Mensch und bleibt dennoch Gott. Auch über 2000 Jahre später will Gott in einer kalten Welt mit seiner Liebe Wärme ausstrahlen. Deshalb wird es immer wieder Weihnachten und wir brauchen solche wärmende Liebe, damit wir nicht im Egoismus erstarren.

Michael Praetorius, dessen berühmten Liedsatz wir wohl alle kennen, nahm dann später Eingriffe vor, damit „Christus“ nicht von „Maria“ überstrahlt wird. Im gut reformatorischen Sinne geht es ja um das „solus christus“ allein Christus rettet uns und nicht die Gottesmutter Maria. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, wird aus „Röslein“, das „Blümlein“.

In der dritten Strophe geht es weiter. Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott und als Licht der Welt vertreibt er unsere Finsternis, besonders aber die Finsternis von Hass, Streit, Leid, Trauer, Einsamkeit im Herzen. Dort will er wohnen, will es zur Krippe werden lassen, um sich hier einzubetten, damit es mir als sein geliebtes Kind nicht angst und bange wird im Leben.

Ihr/Euer Martin Hundertmark

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